Ausverkauftes Haus, zehn großartige Slammer und ein grandioser Sieger: Boris Lemmer gewinnt den 2. Deutschlandslam!

500 Zuschauer erwarteten am Samstag die zehn besten Science Slammer Deutschlands in Hamburg. Sie alle hatten sich in Vorrunden einzelner Städte für die Teilnahme an den zweiten deutschen Meisterschaften im Science Slam qualifiziert. Und so saßen auch viele Veranstalter von Science Slams aus dem ganzen Land im Publikum und drückten ihren Kandidaten die Daumen.

Martin Buchholz, der deutsche Meister 2010, eröffnete den Abend mit seinem Siegerbeitrag vom Vorjahr, der nicht in die Publikumswertung einging. In seinem Beitrag über „Energie – wie man etwas verschwendet, was nicht weniger werden kann“ erklärt er, dass wir zwar eigentlich keine Energie sparen, wenn wir das Licht nicht unnötig brennen lassen, aber damit zu beitragen, das Ende des Universums noch ein bisschen weiter hinauszuschieben.

Anschließend begann Dennis Stahl aus Hannover den Wettbewerb mit einem Beitrag darüber, dass Artenschutz immer eine Artenkenntnis voraussetzt – und wie er eine Smartphone-App entwickelt hat, mit deren Hilfe man direkt am Strand einzelne Muschelarten identifizieren kann. Der Ingenieur Gernot Herbst aus Chemnitz beschrieb, warum wir Regelungstechnik brauchen – denn ohne Regelungstechnik geriete man leicht in eine unangenehme Situation, falls mal eine leichtbekleidete Dame im Wohnzimmer sitzt – schließlich friert sie vermutlich, und da hilft nur ein beherzter Griff an den Thermostaten.

Die verschiedenen Auftrittsformen in Operetten hatte der Musikwissenschaftler Benjamin Künzel für seine Abschlussarbeit untersucht. Am Samstag gab er Kostproben einzelner Stücke und demonstrierte die Absurditäten der verschiedenen Operettentexte, und nur das Gelächter des Publikums übertönte gelegentlich seinen Gesang und Klavierspiel. Letzter vor der Pause war der Historiker Sebastian Huncke aus Münster, der seine Magisterarbeit über den deutschen Sektenführer August Engelhardt, der seine Jünger mit auf eine Südseeinsel nahm und propagierte, dass der Mensch zum Erreichen höherer spiritueller Zustände nichts anderes zu sich nehmen dürfe als Kokosnüsse und Sonnenlicht. Jeglicher Sonnenschutz war verboten, und auch die konsequente Mangelernährung beschleunigte das Ende dieser Sekte.

Nach der Pause trat Alex Dreppec ans Mikrofon, der 2006 in Darmstadt den ersten Science Slam der Welt ausgerichtet hatte. In drei kurzen, launigen Slamtexten unterhielt er das Publikum mit seiner Sicht auf Wissenschaftler und warum sie auf die Bühne gehören. Danach ging der Wettbewerb weiter mit dem Hamburger Virologen Timo Sieber, der erklärte, wie Proteine ihre typische Struktur bekommen – und warum ein bisschen Unordnung zumindest bei Proteinen ganz in Ordnung ist. Am Ende belegte er den zweiten Platz. Der Mittelalter historiker Manuel Lorenz aus Freiburg las einen Text über die Katharer, eine christliche Strömung im 14. Jahrhundert, und stellte die Probleme zwischen Katharern und Vatikan dar – in der Rolle des Papstes trug er eine Pappkrone.

Etwas mehr Requisiten hatte Boris Lemmer mitgebracht. Der Physiker ging für den Science Slam im Berliner Lido an den Start und überzeugte das Publikum mit seinem fulminanten Vortrag über das CERN, den Genfer Teilchenbeschleuniger, und das Problem der Analyse von Unmengen an Daten, das er mit der Suche nach der großen Liebe in einer gut besuchten Mensa verglich. Unter donnerndem Applaus bekam er von fast allen Jurymitgliedern im Publikum die volle Punktzahl von zehn Punkten. Entsprechend eröffnete Christian Stern aus Braunschweig seinen Beitrag mit der Bemerkung, er könne sich ja jetzt entspannen – der Sieger stehe ja bereits fest. Das klappte gut, denn seine Geschichte darüber, wie Chuck Norris (als Salmonelle) den Krebs besiegte, landete am Ende auf dem dritten Platz.

Den Abschluss machte der Elektrotechniker Oliver Adria aus Köln, der dem Publikum erklärte, dass adiabatische Druckluftspeicherkraftwerke mehr enthalten als nur heiße Luft – nämlich eine vielversprechende Möglichkeit, erneuerbare Energien zu speichern.
Am Ende übergab der Vorjahressieger Martin Buchholz dem neuen deutschen Meister im Science Slam, Boris Lemmer, das schwarz-rot-goldene Gehirn im Einmachglas als Trophäe und Beweis dafür, dass er ein komplexes wissenschaftliches Thema grandios auf der Bühne dargestellt hat.

Am Nachmittag vor der Veranstaltung trafen sich die Science Slam Veranstalter, um über den Austragungsort der nächsten deutschen Science-Slam-Meisterschaften abzustimmen: Der 3. Deutschlandslam wird im Herbst 2012 in Karlsruhe stattfinden.

Das Organisationsteam des Science Slams dankt GEO und der Universität Hamburg an dieser Stelle noch einmal für die Unterstützung.

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