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Foto von Kati Nispel

Science Slammerin Kati Nispel bei der FameLab Endausscheidung Bayern 2023, organisiert vom Stadtmarketing Regensburg, am 14.03.2023 in Regensburg, Bayern, Deutschland

Kati Nispel – Biomechanik

Hattest du schon Mal Rückenschmerzen?

Insgesamt haben etwa 80% aller Menschen in unserer Gesellschaft schon einmal Rückenschmerzen gehabt, und etwa ein Drittel aller Erwachsenen leidet aktuell unter Rückenschmerzen1.

Wenn du also gerade gekrümmt vor deinem PC sitzt und dir mit schmerzverzerrtem Gesicht den Rücken reibst, bist du nicht allein.

Womit du auch nicht allein bist, ist, dass du wahrscheinlich nicht genau weißt, was der Grund für deine Rückenschmerzen ist. In einer Studie fanden Wissenschaftler heraus, dass zehn verschiedene Ärztinnen und Ärzte zehn unterschiedliche Diagnosen für die Rückenschmerzen einer einzigen Patientin stellten2. Wie ist das möglich? Und könnte es nicht besser sein?

Die Ingenieurin und Biomechanikerin Kati Nispel hat eine Idee: Das Problem könnten die MRT-Bilder sein, die die Ärztinnen und Ärzte nutzen, um ihre Diagnosen zu stellen. Sie sind sehr schwer zu lesen und oft gibt es verschiedene Interpretationen desselben Bildes. Die Lösung: Kati erstellt aus einer MRT-Aufnahme der Wirbelsäule eines Patienten ein 3D-Modell. Mit diesem 3D-Modell kann sie die Spannungszustände der Wirbelsäule unter verschiedenen Belastungen simulieren und den Ärzten mehr Informationen für ihre Diagnose zur Verfügung stellen. Was Kati genau vorhat, erfahrt ihr in ihrem Science-Slam-Vortrag!

 1 https://de.statista.com/themen/1364/rueckenschmerzen/#topicOverview

2 Herzog et al. 2016 (https://www.thespinejournalonline.com/article/S1529-9430(16)31093-2/fulltext

Unser Interview mit Kati Nispel

Warum machst du beim Science Slam mit?

Das hat zwei Gründe! Erstens: Ich möchte, dass Menschen statt dramatischen Schlagzeilen wissenschaftliche Fakten als Basis für ihre Entscheidungen und Meinungen bekommen. Zweitens: Mir ist bewusst geworden, wie wichtig eine gute Rhetorik ist, um unter anderem diese Fakten sichtbar zu machen. Science Slams sind also in gewisser Weise auch eine gute Übung für mich, meine Rhetorik und mein Selbstbewusstsein beim Vortragen zu stärken. 💪

Was begeistert dich an der Forschung?

Dass man manchmal einfach sagen darf, dass man keine Ahnung hat. Auf manche Fragen gibt es eben noch keine Antwort. Die Bereitschaft, sich das einzugestehen, findet man vor allem in der Forschung.

Kannst du mir dein Thema in drei Sätzen erklären?

Wenn Menschen Rückenschmerzen haben, dann findet man den Grund dafür oft nicht wirklich – auch nicht mit einem MRT 🦴. Meine Forschung macht mehr aus dem MRT, nämlich ein 3D-Modell, das man dann auch noch am Computer bewegen kann. Die dabei berechneten Kräfte in der Wirbelsäule können wir dann im besten Fall mit Rückenschmerzen in Verbindung bringen, und eine bessere Therapie für jede:n Einzelne:n empfehlen! 🤝

Was hättest du in deinem Forschungsprozess gerne früher gewusst?

Wie man einen Dienstreiseantrag so schreibt, dass er verständlich ist und durchgeht. Das hätte uns allen wohl manche Nerven erspart! 🫠

Was ist das größte Missverständnis über dein Fachgebiet?

Dass es viel mit Biologie zu tun hat, weil das bei „Biomechanik“ wohl oft so interpretiert wird. Stimmt aber gar nicht – meine Forschung ist eigentlich Mechanik! 🔧 Eben nur am Menschen, also an der Biologie.

Was machst du, um nach einem anstrengenden Tag abzuschalten?

Mein Handy aus.📵Und am Wochenende dann Sport in den Bergen: Skitour, Skifahren oder Mountainbiken! ⛰️

Was ist dein Lieblingspaper/-buch zu deinem Thema?

Die Studie von Herzog et al. (2017) zur Unterschiedlichkeit der Diagnosen in verschiedenen Kliniken. Ich bin ein großer Fan davon, die Motivation für die eigene Arbeit hochzuhalten. Und diese Studie zeigt sehr eindrucksvoll, wie ungenau wir bisher Diagnosen für Rückenschmerzen treffen können. 🎯

Welchen Rat würdest du anderen jungen Wissenschaftler*innen geben?

Ich würde vor allem junge Frauen dazu motivieren, ihrer eigenen Einschätzung und Meinung zu vertrauen. Oft lassen wir uns einschüchtern und trauen uns Dinge nicht zu, und später stellen wir dann fest, dass wir in manchen Dingen vielleicht recht hatten, und unsere Meinung besser direkt in die Diskussion eingebracht hätten. Schluss mit Imposter, Mädels! 💃🏻