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Foto von Melanie Lausen

Foto: youtube.com/ScienceSlam

Melanie Lausen - Epidemiologie/Statistik

Pflegekräfte meistern täglich eine unglaubliche Herausforderung: Sie versorgen Patientinnen und Patienten, kämpfen gegen den Zeitdruck und jonglieren gleichzeitig mit familiären Verpflichtungen – oft bis zur Erschöpfung. Hinzu kommen Berichte über Übergriffe. Inmitten all dieser Belastungen bleibt wenig Platz für ein gesundes und zufriedenes Arbeitsleben.

Und der demografische Wandel wird diese Belastungen in Zukunft noch weiter anheizen. Kreative Stärkungsgruppen sollen hier ansetzen und das Pflegepersonal entlasten. In ihrem Science-Slam-Vortrag zeigt Melanie Lausen, wie Atemübungen und gemeinsames Reflektieren dabei helfen können, individuelle Belastungen zu verringern – auch wenn sie die strukturellen Probleme im Gesundheitswesen nicht lösen.

Schaut euch das Video an und erfahrt, was Melanie für nötig hält, um die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften nachhaltig zu verbessern.

1. Warum machst du beim Science Slam mit?

Ich war schon immer der Überzeugung, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und die dahinter liegenden Methoden allen Menschen zugänglich sein sollten – und warum das Ganze dann nicht mit ein bisschen Humor verbinden? Besonders in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage muss Forschung nachvollziehbar sein.

2. Was begeistert dich an der Forschung?

Das Schöne an der Forschung ist, dass sie nie absolut ist. Manchmal wird etwas verworfen, neu definiert oder es werden bessere Methoden zur Erforschung entdeckt – Cliffhanger sind immer garantiert!

3. Kannst du mir dein Thema in drei Sätzen erklären?

In meiner Dissertation habe ich mich mit dem Gesundheitszustand und der Arbeitszufriedenheit von medizinischem Personal in Deutschland befasst. Wir konnten mit einer Intervention zur Stärkung mentaler Ressourcen positive Ergebnisse erzielen, allerdings auch deutlich aufzeigen – und das ist nichts Neues – dass sich an den Arbeitsbedingungen und dem Umgang mit medizinischem Personal grundlegend etwas ändern muss.

4. Was hättest du in deinem Forschungsprozess gerne früher gewusst?

Ich hätte gerne früher gewusst, wie viel Zeit die internen Abläufe von der Beantragung der Forschungsgelder bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse in Anspruch nehmen, und dass ich mich wirklich nicht im Kleinen stressen muss – und auch nicht sollte, vor allem da sich meine eigene Dissertation um das Thema Burnout dreht…

5. Was ist das größte Missverständnis über dein Fachgebiet?

Im Bereich epidemiologischer und psychologischer Forschung erlebe ich häufig, dass viel Verantwortung beim Individuum gesehen wird. Bewegung, gesunde Ernährung und Stressmanagement sind schön und gut, aber wir müssen als Gesellschaft Verantwortung für Strukturen übernehmen, die dauerhaft gesundheitlichen Schaden anrichten. Das treibt mich in meiner Forschung an – für diese Themen zu sensibilisieren und alles mit Zahlen zu untermauern.

6. Was machst du, um nach einem anstrengenden Tag abzuschalten?

Entspannend finde ich zum Beispiel einen guten Thriller oder Zeit an meinem Boxsack. Alternativ versuche ich mir beim Yoga Zeit für mich zu nehmen. Auch Musik finde ich erholsam. Ich spiele zum Beispiel sehr schlecht Gitarre und kann nur propagieren: Zelebriert auch Hobbys, in denen ihr (noch) nicht gut seid, wenn sie euch Freude bereiten!

7. Was ist dein Lieblingspaper/-buch zu deinem Thema?

Ein Lieblingsbuch oder –paper kann ich tatsächlich nicht benennen, aber ich könnte euch eine Führung durch mein Bücherregal anbieten. Müsste ich es herunterbrechen, würde ich die Pearson-Lehrbücher über Psychologie empfehlen, die ich sehr zugänglich finde.

8. Welchen Rat würdest du anderen jungen Wissenschaftler*innen geben?

Trust the process! Je tiefer man in ein Thema einsteigt, desto mehr findet man heraus, was man alles noch nicht weiß. Deswegen würde ich jungen Wissenschaftler:innen raten schnell herauszufinden, was ihr persönlicher Ausgleich zum Job ist und sich vom Perfektionismus zu verabschieden. Am Anfang wird es wild und chaotisch, ihr dürft euch Hilfe holen, Fehler gehören dazu, und wenn die Zeit für Perfektion gekommen ist, habt ihr genug Expertise, um damit sicher umgehen zu können. Aber dafür braucht ihr einen langen Atem – also sorgt dafür, dass ihr körperlich und mental gesund bleibt.