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Foto von Jan Kettler

Foto: youtube.com/ScienceSlam

Jan Kettler - Informatik

Jan Kettler ist Informatiker und forscht in einem Bereich, der uns alle bewegt: Verkehr. 🚌 In seinem Science-Slam-Vortrag zeigt er, warum Bewegungsdaten so unglaublich wichtig sind, um unsere Mobilität besser zu machen. Doch dabei stellt sich eine entscheidende Frage: Wie kommt man an gute Daten, ohne gleich preiszugeben, warum man am Freitagabend nicht mehr nach Hause gekommen bist? 🕵️‍♂️ Jan erklärt anschaulich, wie Anonymisierung und Datenschutz dafür sorgen, dass deine Wege zwar statistisch erfasst, aber nicht persönlich enttarnt werden. Denn das Wichtigste ist: Deine Daten bleiben bei dir – es sei denn, du möchtest freiwillig erzählen, wo du am Freitagabend übernachtet hast. 😉

1. Warum machst du beim Science Slam mit?

Slammen ist eine 180-Grad-Abwechslung zum Alltag in der Wissenschaft. Es ist bunt, laut, und oft gibt es erfrischend bodenständigen Real Talk. Außerdem lerne ich jedes Mal neue Menschen und ihre Themen kennen, denen ich sonst nie begegnet wäre. Gleichzeitig kann ich mein Thema hunderten Menschen näherbringen und sie mit einem lustigen Anzug und dazu passendem Humor vielleicht sogar für etwas begeistern, das sie vorher gar nicht interessiert hat. Genau dieser Austausch mit Slammies und Publikum macht den Slam für mich so besonders.

2. Was begeistert dich an der Forschung?

Es ist verrückt, dass man als Wissenschaftler einfach Mal drauf los Experimentieren darf. "Hier ist eine Welt voller Möglichkeiten, leg los!". Es gibt dabei natürlich Grenzen, aber dieser Grundansatz ist fantastisch.

3. Kannst du mir dein Thema in drei Sätzen erklären?

Verkehr nervt uns alle, das liegt nicht daran, dass irgendjemand etwas falsch macht, sondern daran, dass es ein schwieriges Thema ist. Mobilitätsdaten können dabei helfen Probleme und Potenziale messbar zu machen und so fair für alle zu planen. Bewegungsdaten sind leider gleichzeitig extrem persönlich, deshalb wenden wir Anonymisierungsmethoden an, um Aussagen zum Verkehr zu bekommen, und gleichzeitig personenbezogene Daten zu schützen.

4. Was hättest du in deinem Forschungsprozess gerne früher gewusst?

Wie wichtig es ist, Testdaten gut zu konzeptionieren. Denn mit einem durchdachten Konzept lassen sich mithilfe von Verkehrssimulationen riesige Mengen realistischer Daten erzeugen, um Anonymisierungsmethoden auf Herz und Nieren zu prüfen. Ach ja, und wie viele Tücken es gibt, wenn man genau das auf einem Superrechner mit vielen Terrabyte and Daten macht.

5. Was ist das größte Missverständnis über dein Fachgebiet?

Dass Datenschutz eine Bremse ist. Die DSGVO sagt eigentlich nur aus, dass sich jede und jeder Gedanken dazu machen soll, was sie oder er wirklich mit den Daten machen möchte, bevor sie erhoben werden. Und wenn Daten erhoben werden, soll das transparent kommuniziert werden. Echt eine tolle Idee, die man einfach mitdenken muss.

6. Was machst du, um nach einem anstrengenden Tag abzuschalten?

Freunde treffen, Sport, Lesen und in der Natur Spazieren gehen sind natürlich die Klassiker. Ich bastle allerdings in meiner Freizeit auch gerne in meiner Werkstatt an verschiedensten Projekten. Zum Beispiel an einem kleinen selbst fahrenden Boot.

7. Was ist dein Lieblingspaper/-buch zu deinem Thema?

Die DSGVO natürlich😉 Nein, Spaß. Während wir unsere Verkehrssimulation richtig kalibriert haben ist uns die "Highway Capacity Manual" der National Research Council aus den USA auf den Tisch gekommen. Diese Publikation ist von 1965, vermutlich mit der Schreibmaschine getippt und mit teils schrägen Seiten eingescannt. Mich hat es total fasziniert, dass auch so ein Dokument für heutige Forschung relevant ist.

8. Welchen Rat würdest du anderen jungen Wissenschaftler*innen geben?

Wissenschaft wird von uns allen mit Steuergeldern gefördert, weil die Gesellschaft daran glaubt, dass es enorm wichtig ist, neues Wissen zu erlangen, Neues zu schaffen und die Menschheit jeden Tag ein Stückchen weiterzubringen. Denkt immer daran, dass viele Menschen hinter euch stehen, und macht dieses Ziel zum Grundsatz eurer Arbeit. Und ach ja: Auch wenn etwas nicht klappt, ist das neues Wissen für die Welt und sollte genauso behandelt und veröffentlicht werden.