Gesa Hoffmann - Molekulare Pflanzenvirologie
Bienchen und Blümchen? Eher Blümchen zu Blümchen … 🌼 Gesa Hoffmann vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie geht einer Frage nach, über die Pflanzen vermutlich lieber schweigen würden: Wie werden Pflanzenviren eigentlich übertragen – wo Pflanzen doch weder husten noch niesen können?
Tatsächlich gibt es Viren, die die Fortpflanzung von Pflanzen nutzen, um von einer Generation zur nächsten zu gelangen. Gesa Hoffmann erforscht, wie diese Viren die pflanzlichen Sexualorgane infizieren und welche molekularen Schutzmechanismen Pflanzen entwickeln, um ihren Nachwuchs vor einer Infektion zu bewahren – und warum manche Viren diese ausgeklügelte Abwehr trotzdem überwinden und den Weg in die nächste Generation finden.
Warum das uns alle betrifft? Weil ein großer Teil unserer Lebensmittel auf der Fortpflanzung von Pflanzen beruht – von Reis, Mais und Weizen über Äpfel, Tomaten und Paprika bis hin zu Wein. Viren könnten diese Ernten gefährden.
Freut euch auf einen Science Slam über Pflanzen, Viren und die erstaunlichen Strategien, mit denen sich Pflanzen gegen ihre unsichtbaren Angreifer wehren. Denn das Liebesleben der Blumen ist für uns wichtiger, als man vielleicht denkt. Ansteckungsgefahr besteht bei diesem Vortrag aber nur für Neugier und Begeisterung für die faszinierende Welt der Pflanzen.
1. Warum machst du beim Science Slam mit?
Ich liebe es, über mein Forschungsthema zu reden und zu diskutieren! Wissenschaftskommunikation wird meiner Meinung nach in den Wissenschaften stark vernachlässigt und das, obwohl wir von der Allgemeinheit finanziert werden. So ein Format wie der Science Slam erlaubt es auch mir selbst, meine Forschung noch einmal von einer ganz anderen Seite zu betrachten, einen Schritt zurückzutreten und manchmal auch staunend von außen auf das große Ganze meines Themas zu schauen. Ich glaube, durch die Slams habe ich mich selbst wieder mehr in meine Forschung verliebt! Und auf der Bühne vor einem tollen und interessierten Publikum zu stehen und über etwas zu reden, das einem am Herzen liegt – das ist schon ein großartiges Gefühl!
2. Was begeistert dich an der Forschung?
Trotz aller Unsicherheit und des Stresses, die mit wissenschaftlicher Arbeit einhergehen, sehe ich es als großes Privileg, forschen zu dürfen. Besonders in der Grundlagenforschung, in der ich arbeite, haben wir die Freiheit, große Fragen zu stellen und zu sehen, wohin uns die Ergebnisse führen, natürlich in einem gewissen Rahmen und ohne den Druck unmittelbarer Wirtschaftlichkeit. Und manchmal stehe ich wie ein Kind, das zum ersten Mal einen Käfer unter der Lupe sieht, mit großen Augen vor meinen Pflanzen und Viren und bin einfach begeistert von den komplexen Zusammenhängen und der intrinsischen Schönheit der Natur.
3. Kannst du mir dein Thema in drei Sätzen erklären?
Pflanzen werden ständig von Viren infiziert, sowohl die Bäume im Wald als auch unsere Schnittblumen in der Vase. Einige dieser Pflanzenviren nutzen die sexuelle Fortpflanzung, um sich zu verbreiten (genau wie bei Menschen!). Ich versuche zu verstehen, wie diese Viren die pflanzlichen Sexualorgane infizieren und ultimativ, wie ich sie daran hindern kann.
4. Was hättest du in deinem Forschungsprozess gerne früher gewusst?
„If nothing goes right, go left“ – manchmal lohnt es sich, Experimente, Manuskripte oder unlösbar scheinende Fragen einfach eine Woche liegen zu lassen. Vielleicht kommt die Antwort dann ganz von allein. Und falls nicht, kannst du dich immer noch nächste Woche stressen.
5. Was ist das größte Missverständnis über dein Fachgebiet?
Ich glaube, viele Menschen sind erst mal überrascht, dass es überhaupt Viren gibt, die Pflanzen befallen und dann auch noch sexuell übertragbare Viren. Häufig ist der nächste Impuls dann zu sagen: „Ach, das ist ja nicht so schlimm, es sind ja nur Pflanzen.“ Aber die Gesundheit unserer Pflanzen ist so, so wichtig für uns und unser Überleben! Ein Großteil unserer Nahrungsgrundlage hängt nicht nur von Pflanzen selbst, sondern auch von ihrer Fortpflanzung ab. Nimm zum Beispiel Samen wie Reis, Mais oder Getreide sowie Obst wie Äpfel, Pfirsiche und Kirschen oder Gemüse wie Tomaten, Paprika und Oliven – all das sind Produkte der sexuellen Fortpflanzung von Pflanzen! Viren können nicht nur einzelne Pflanzen schwächen oder sogar zum Absterben bringen, sondern sich auch extrem schnell ausbreiten und im Fall „meiner“ Viren lange Zeit im Saatgut existieren, wo sie praktisch unsichtbar sind. Durch den internationalen Handel verbreiten wir Pflanzenviren derzeit auf der ganzen Welt – mit noch nicht absehbaren Konsequenzen. Und immerhin befinden wir uns gerade mitten in der Pandemie des tomato brown rugose fruit virus, auch wenn es fast niemand weiß.
6. Was machst du, um nach einem anstrengenden Tag abzuschalten?
Ich habe nicht nur viele Pflanzen im Labor, sondern auch zu Hause, und es macht mir riesigen Spaß, mich um sie zu kümmern und die Insekten auf dem Balkon zu beobachten. Auch wenn mir manchmal schon der Gedanke kommt, welche Viren sich in meinen Pflanzen verstecken könnten.
Außerdem habe ich nach vielen Jahren wieder angefangen, Klavier zu spielen. Das ist für mich der perfekte Ausgleich, weil ich mich dabei voll und ganz auf die Musik konzentrieren kann (und muss) und keine Zeit habe, über das letzte gescheiterte Experiment nachzudenken!
7. Welchen Rat würdest du anderen jungen Wissenschaftler*innen geben?
a) Suche dir ein Thema aus, dass dich wirklich begeistert! Wissenschaft kann sehr frustrierend sein, da hilft es sich am „Big Picture“ festhalten zu können. Und wenn du merkst, dass es dich nicht mehr begeistert, ist es keine Schande, die Richtung zu wechseln und sich ein anderes Thema zu suchen.
b) Rede viel mit Menschen außerhalb deines Forschungsbereiches, das animiert nicht nur dazu sich auf die wesentlichen Punkte zu konzentrieren, sondern man bekommt häufig auch wichtige Anregungen.
c) Nimm den Tag frei, geh auf das Konzert, bingewatch Netflix – dein Experiment ist morgen auch noch da.