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Foto von Luca Neuperti

Foto: Moritz Reich

Luca Neuperti - Informatik/Soziologie

Luca Neuperti, der an der Goethe-Universität Frankfurt Informatik und Soziologie studiert hat, nimmt uns in seinem Science-Slam-Vortrag mit auf eine faszinierende Reise: Wie gut können Chatbots wirklich mit uns kommunizieren? Dabei wirft er einen frischen Blick auf spannende Themen – von der Präzision, mit der KI menschliche Gespräche imitiert, über die Frage, warum wir Intelligenz immer an uns selbst messen, bis hin zu überraschenden Einsichten über unsere eigene Art zu kommunizieren. Freut euch auf einen Vortrag, der Hirn und Herz anspricht!

1. Warum machst du beim Science Slam mit?

Wir verstehen uns als Wissenschaftsgesellschaft. Wenn man sich aber wirklich mal mit Wissenschaft beschäftigen möchte, werden einem viele Steine in den Weg gelegt: Clickbait-Artikel, echte Forschung hinter Paywalls, unverständliche Fachsprache. Ich finde, die Idee, dass man Wissenschaft einfach vertrauen soll, könnte gar nicht anti-wissenschaftlicher sein. Deshalb versuche ich dabei zu helfen, wissenschaftliche Forschung für alle verständlich zu machen, damit sie Interesse weckt. Und damit weniger vertraut werden muss und mehr verstanden wird. Oh, und ich liebe Bühnen!

2. Was begeistert dich an der Forschung?

Dinge in Zusammenhang bringen, die zuvor getrennt wirkten. Gerade zwischen Gesellschaft und Technologie gibt es meiner Meinung nach noch viele wichtige, aber unentdeckte Zusammenhänge.

3. Kannst du mir dein Thema in drei Sätzen erklären?

Viele denken, KI-Chatbots denken und kommunizieren wie Menschen. Doch bei Menschen sorgen verschiedene Mechanismen dafür, dass man sich im Gespräch automatisch aneinander anpasst – zum Beispiel, wenn du statt „Arzt“ „Doktor“ sagst und ich das dann auch tu. Ich habe untersucht, ob Chatbots sich auch so anpassen können. Das Ergebnis: Es kann zwar am Anfang so wirken, aber nach einer gewissen Gesprächslänge funktioniert die Illusion nicht mehr.

4. Was hättest du in deinem Forschungsprozess gerne früher gewusst?

Ich stelle in meinem Science-Slam-Vortrag meine (zweite) Bachelorarbeit vor – das ist also das „Früher“. Es hat immerhin bis zu dieser Arbeit gebraucht, bis ich gemerkt habe, wie cool Semiotik, also die Wissenschaft der Zeichen, ist. Mithilfe von Zeichen kann man viel erklären und die Welt ganz anders betrachten. Ich würde gern noch mal mit Linguistik/Semiotik anfangen, aber zwei Bachelor sind dann wohl doch genug.

5. Was ist das größte Missverständnis über dein Fachgebiet?

Ich komme aus der Informatik und der Soziologie und muss erstmal sagen: Vieles ist wahr. In der Informatik sind die Auswirkungen von Technologie auf die Gesellschaft ein Nebenschauplatz und in der Soziologie würde ich nicht gerade wegen Tech-Support anrufen. Bevor ich Soziologie studiert habe, dachte ich, das sei „Physik für Menschen“. Also eine eindeutige Wissenschaft, die mit Zahlen und Modellen erklärt, wie Menschen in der Gesellschaft handeln. Aber: Soziologie nutzt nicht nur Statistik, sondern auch zum Beispiel Interviews oder das strukturierte Beobachten von Menschen. Nur, weil das dann weniger Zahlen enthält, ist es aber nicht „weniger wissenschaftlich“. Es braucht beides!

6. Was machst du, um nach einem anstrengenden Tag abzuschalten?

Baden und Koreanisch lernen. Denn ich mag Wärme und Grammatik.

7. Was ist dein Lieblingspaper/-buch zu deinem Thema?

Rainer Mühlhoff (2023): „Die Macht der Daten. Warum künstliche Intelligenz eine Frage der Ethik ist“.

8. Welchen Rat würdest du anderen jungen Wissenschaftler*innen geben?

Welchen Rat würdest du anderen jungen Wissenschaftler*innen geben? Da ich selbst nur „Bachelor of all Trades, Master of None“ bin, möchte ich mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Aber hier zwei Ratschläge: @Informatiker*innen: Algorithmen fallen nicht vom Himmel. Denk auch mal über den gesellschaftlichen Kontext nach! @Soziolog*innen: Mathe ist gar nicht so schwer, wie es wirkt, und „Ich kann das einfach nicht“ ist dein größter Feind.