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Foto von Mirjam Reidick

Mirjam Reidick privat

Mirjam Reidick - Sexualforschung

Mirjam Reidick widmet sich in ihrer Promotion am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf einer Frage, die von Mythen und Halbwahrheiten umrankt ist: Wie viel Masturbation ist eigentlich gesund?

Mit wissenschaftlicher Neugier untersucht sie, wie Orgasmushäufigkeit, Gehirnplastizität und psychisches Wohlbefinden zusammenhängen. Was steckt hinter dem Konzept des „Total Sexual Outlet“? Und welchen Einfluss hat unsere sexuelle Aktivität tatsächlich auf das Gehirn und die Gesundheit?

In ihrem Vortrag räumt Mirjam mit hartnäckigen Irrtümern über Masturbation auf und stellt gesellschaftliche Vorstellungen von Sexualität auf den Prüfstand. Ihr Anliegen: Eine offene, unbefangene Diskussion über Sex und ein Bewusstsein für die eigenen sexuellen Rechte – denn sie sind der Schlüssel zu Selbstbestimmung, Freiheit und einem gesunden Leben.

1. Warum machst du beim Science Slam mit?

Als ich die erste Anfrage erhalten habe, war ich mir ehrlicherweise nicht sicher, ob ein Science Slam das Richtige für mich ist und ob ich meine Forschung so unterhaltsam herunterbrechen kann, dass sie ein breites Publikum erreicht. Dann hatte ich meinen ersten Auftritt im Uebel & Gefährlich in Hamburg – und hatte richtig Spaß. Ich freue mich, dass mein Thema dadurch mehr Sichtbarkeit bekommt, weil mir wichtig ist, der Audience zu zeigen: Sexuelle Rechte sind Menschenrechte. Denn wir wissen, dass sexuelles Wohlbefinden mit der allgemeinen Lebensqualität zusammenhängt. Außerdem sind die kleinen Gespräche, die man nach dem Auftritt mit Menschen aus dem Publikum hat, jedes Mal bereichernd. Aber auch der Austausch mit den anderen Slammys ist großartig. Sie arbeiten an ganz unterschiedlichen Themen, und jedes Mal sitze ich da, höre ihren Beiträgen zu, bin hinterher wissensreicher als zuvor und dabei auch noch richtig gut unterhalten.

2. Was begeistert dich an der Forschung?

Grundsätzlich begeistert mich an der Forschung, dass sie so vielseitig und interdisziplinär sein kann und man dabei spannende Menschen trifft, die alle ihre ganz eigenen Fragen mitbringen. Bezogen auf mein Forschungsprojekt begeistert mich, dass es ein Thema ist, das viele Menschen in ihrem Alltag begleitet. Auch wenn das Thema Sex ominipräsent wirken kann, mangelt es leider noch häufig an adequater, evidenzbasierter Aufklärung, die mir am Herzen liegt.

3. Kannst du mir dein Thema in drei Sätzen erklären?

Es gab schon immer Meinungen darüber, wie viel Sex „normal“ oder „gesund“ ist – diese uralte Frage begleitet uns ja ständig. Ich schaue mir das explorativ an: Wie hängt sexuelle Aktivität mit physiologischen (vor allem dem Gerhin) und psychologischen Faktoren zusammen?

4. Was hättest du in deinem Forschungsprozess gerne früher gewusst?

Dass manche Publikationsprozesse unfassbar lange dauern können. Und auf der anderen, positiven Seite: Forschung kann sehr abwechslungsreich sein. Bestes Beispiel dafür, es gibt sowas wie Science Slams.

5. Was ist der größte Mythos über dein Fachgebiet? 

Zum Thema Sex gibt es nicht nur einen Mythos, sondern zahlreiche, die zeigen, dass evidenzbasierte Aufklärung of zu kurz kommt. Zum Beispiel: „Frauen haben grundsätzlich weniger sexuelles Verlangen als Männer.”

6. Was machst du, um nach einem anstrengenden Tag abzuschalten?

Manchmal ist es für mich garnicht so einfach abzuschalten. Aber was mir meistens hilft ist in Bewegung sein, vor allem das Tanzen liebe ich.

7. Was ist dein Lieblingspaper oder -buch zu deinem Thema?

Da gibt es wirklich viele tolle Arbeiten. Ein Paper, das ich immer wieder empfehle, ist dieses: https://doi.org/10.1080/19317611.2021.1965689. Außerdem gefällt mir folgendes Paper, welches Anfgang des Jahres publiziert wurde: https://doi.org/10.1038/s41585-025-01113-8.

8. Welchen Rat würdest du anderen jungen Wissenschaftler*innen geben?

Sucht den Austausch und vernetzt euch, denn gemeinsam trägt man Herausforderungen leichter und erlebt schöne Momente. Wenn ihr promovieren wollt, ist außerdem die Supervision sehr wichtig. Ich habe das Glück mit Prof. Simone Kühn eine tolle Doktormutter zu haben und auch mein gesamtes Team ist sehr unterstützend. Das Wichtigste: Vertraut dem Prozess.